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Die Hansemagd und der Salzgraf

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Halle

Die Hansemagd trifft auf den Salzgraf und den Halloren.

Die Händelstadt Halle hat einen großen Sohn und der heißt, das sagt ja schon ihr offizieller Name, Händel. Kulturell richtet sich die Stadt nach dem Komponisten in vielfältiger Weise aus. Aber es gibt ja noch einen weiteren Namen, der vor Händel eine Rolle spielte. Salzstadt Halle zum Beispiel. Das weiße Gold machte Halle zu dem, was es heute ist und prägte seine Geschichte. Dieser Name ist mit der Brüderschaft der Halloren verbunden, immerhin der ältesten Brüderschaft in Deutschland, den ehemaligen Salzwirkern im Thal zu Halle. Und dann gibt es noch diesen dritten Namen, der eigentlich fast ein wenig stiefmütterlich behandelt wird und bei Gästen oft Erstaunen hervorruft. Die Hansestadt Halle. Immerhin zwei Jahrhunderte war die Hanse in Halle präsent. Zwar war Halle nie bedeutende Hansestadt, aber dieser Verbund prägte die Zeit vom 13. Jh. bis zum 15. Jh. in besonderer Weise und half Halle, ob man nun will oder nicht, auch in ihren Freiheitsbestrebungen. Die Bedeutung erkannte auch Bischof Ernst von Wettin, als er durch Verrat 1478 Halle einnahm, ihre Freiheitsbestrebungen rigoros einschränkte und gleich darauf die Hanse verbot. Er wusste um die Bedeutung und die Gefahr, die von solch einem Bündnis ausgeht. Halle ist zwar seit 2001 wieder in der Hanse, aber man hört kaum etwas davon, wenn es nicht den Hallischen Hanseverein e.V. gäbe, der sich dieser Zeit annimmt. So gibt es das Hansefest, die Hansemagd, mittelalterliche Hansespiele für Kinder, es erschienen im Kleinverlag MSW-Welten ein Hansebuch, und zwei weitere Publikationen zur Geschichte der Stadt Halle.

Apropos Hansemagd. Das „Maskottchen“ des Vereins gab es zwar nachweislich nicht wirklich, aber Ketlin, so der Name der Hansemagd, hat einen konkreten historischen Bezug, weil sie mit ihrer Mutter in der Rannischen Straße wohnt und arbeitet, und zwar in der historischen Gaststätte zu den „Drei Schwänen“, die im 15. Jahrhundert laut Schultze-Gallera dort nun mal stand und eine Ausspanne für die Händler (Hansekaufleute) war. Es gab also vor Händel und Halloren achtungsvolle Hallische Geschichte. Und selbst davor war Geschichte präsent, zum Beispiel mit Thietmar, dem Merseburger Bischof, der auch Burg Giebichenstein besuchte und die berühmte Chronik bis zum Jahre 1018, seinem Todesjahr, schrieb.

Und da kommt die Hansemagd wieder ins Spiel, die im wirklichen Leben Sophie Wohlleben heißt, an das Neue Städtische Gymnasium geht und die verlorenen Seiten der Chronik zusammen mit ihrer Oma Beatrix schrieb. Der Hallische Hanseverein und sein Dom-zu-Dom Projekt starteten im Mai ein Geschichtswettbewerb zu dieser Chronik und siehe da, es nahmen nicht nur einige Schulen, sondern auch einige einzelne Kinder teil. So konnte Sophie mit ihrer Oma auch den ersten Preis erringen. Das lag nicht darin, dass sie Hansemagd ist, sondern das sie und die Oma über ein zeichnerisches Talent verfügen. Immerhin arbeiten beide auch an einem aufwendig gezeichneten Märchenbuch („Die lila Prinzessin“) für den MSW-Welten-Kleinverlag . Den zweiten Preis erhielt die Klasse 8 des Produktiven Lernens der Gemeinschaftsschule Heinrich-Heine, die sich ebenfalls ins Zeug legte und das geschichtliche Ereignis vom „Tanzwunder in Kölbigk“ zeichnete und erzählte. Dieses Tanzwunder fand nämlich erst nach Thietmars Tod statt und konnte somit in seine berühmte Chronik keinen Eingang finden. Das Dom-zu-Domprojekt des Hansemitglieds Thomas Kirchhoff läuft seit fünf Jahren unter dem Titel „Thietmars Flussfahrt“ und hatte in diesem Jahr die „verlorenen“ Seiten der Chronik zum Thema. Man wünschte sich nur, dass sich ein wenig mehr Schulen an dem Wettbewerb beteiligt hätten, aber auch so wurde das Projekt ein Erfolg und die Chronik in der Böllberger Kirche übergeben.

So war dann die Hansemagd völlig überrascht, als sie ihren Preis entgegennahm, von den Hansemitgliedern und sogar vom Salzgrafen und einem anwesenden Halloren beklatscht wurde. Die hatten in der Saline gerade ein Fotoshooting und probten für das Brückenfest am 15.09.19 bei der Genzmer Brücke, wo besagte Hansemagd Ketlin eine der Hauptrollen in dem Stück „Fisch und Salz – Gott erhalt’s“ spielt. Hallore Bernd Bieler musste sich an diesem Tag auch für eine Probe rüsten, ist er doch nicht unwesentlich an dem Stück „Im Thal zu Halle – eine Salzgeschichte“, nicht nur als Co-Autor beteiligt, sondern ebenso einer der Hauptdarsteller zusammen mit Erasmus von Halberstadt, der übrigens, wie alle Aufführungen vorher auf Hanse- und Salinefesten auch, das Stück geschrieben hat.

Ein Hallore spielt seine eigene Geschichte in einem dokumentarischen Stück über die schwere Arbeit der Salzwirker und ihren verschieden heute unbekannten Gewerken. Das ist doch mal ein Novum. Tradition nicht nur zeigen, sondern auch spielen. Zum Salinefest am 28.09.2019 kann man dieses Spektakel in der Saline dann live erleben. Mit dabei ist natürlich auch die Hansemagd.

Es wäre aber nicht der Hanseverein, der gleich noch das ganze Stelldichein nicht nutzen würde, um ein ausgiebiges Fotoshooting mit dem Salzgrafen, seiner Tochter Thea, dem Halloren, der Hansemagd und der Theatergruppe des Hallischen Hansevereins „Quinta-X-Essentia“ zu veranstalten, wobei die Mutter von Sophie, Sandy Wohlleben, und die Quintanerin Sylvia Waldow, alle Hände (bzw. Kameras) voll zu tun hatten, um die Fotos unter der Leitung von Erasmus (Michael Waldow)
zu machen.

Es gibt eben noch mehr Geschichte, als nur die von Händel, der eigentlich mit 18 nach London zog und dieser Stadt seinen Namen geben sollte. Doch wie klingt schon Händelstadt London für den verwöhnten Hallenser? Aber vielleicht gibt es ja mal einen Namen mit dem Namen Hanse (außer dem "Notbehelf" Hansering). Zum Beispiel Hansegymnasium würde gut kommen. Aber das ist wieder eine andere Geschichte und nicht so einfach in einer Händelstadt zu händeln.
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