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Johann Sebastian Bach - Hofkapellmeister in Köthen 1717 - 1723

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Köthen

Johann Sebastian Bach übernahm 1717 das Kapellmeisteramt in Köthen und verbrachte hier die wohl glücklichste Zeit seines Berufslebens

Nach neunjähriger Tätigkeit als Organist und Konzertmeister am Weimarer Hof avancierte JOHANN SEBASTIAN BACH im August 1717 zum Kapellmeister des Fürsten Leopold von Anhalt-Köthen. In der Residenz fand er eine umfangreiche Sammlung von Musikalien und Instrumenten vor; außerdem verfügte er über exzellente Musiker. Einige entstammten der im Jahre 1713 aufgelösten Berliner Hofkapelle. Bach begab sich wohl Anfang Dezember 1717 von Weimar nach Köthen, wo er gleich nach seiner Ankunft die musikalische Ausgestaltung des Geburtstags seines neuen Dienstherrn zu übernehmen hatte.
Das musikalisch fruchtbare Klima in seiner neuen Wirkungsstätte beschrieb Bach in einem Brief vom 28. Oktober 1730 an seinen Jugendfreund Georg Erdmann:
„Daselbst hatte einen gnädigen und Music so wohl liebenden als kennenden Fürsten; bey welchem auch vermeinete meine Lebenszeit zu beschließen.“
Wegen der politischen und konfessionellen Auseinandersetzungen in der Residenz - aber auch infolge der Heirat des Fürsten mit Friederica Henrietta von Anhalt-Bernburg - blieben die Verhältnisse wohl nicht so harmonisch, wie sie Bach zunächst empfunden hatte. Über die veränderte Situation bemerkte Bach weiterführend im Brief:
„Es muste sich aber fügen, daß erwehnter Serenißimus sich mit einer Berenburgischen Princeßin vermählete, da es denn das Ansehen gewinnen wolte, als ob die musicalische Inclination bey besagtem Fürsten in etwas laulicht werden wolte, zumahln da die neüe Fürstin schiene eine amusa zu sein: so fügte es Gott, daß zu hiesigem Directore Musices u. Cantore an der Thomas Schule vociret wurde“.
Für seinen Wechsel nach Leipzig war wohl auch ausschlaggebend, dass seine Söhne dort ein Universitätsstudium aufnehmen konnten – mithin bessere Bildungschancen hatten. Ende Mai 1723 verließ Bach die Anhaltische Residenz, in die er später (vor allem zu Gastspielen) noch mehrmals zurückkehrte; beispielsweise zur Aufführung einer doppelchörigen Trauermusik am 24. März 1729 zum Gedächtnis seines frühverstorbenen Dienstherrn. Den Titel als „Hochfürstlich Anhalt-Cöthenischer Capellmeister“ hat er zeitlebens beibehalten.

Zu den Köthener Werken Johann Sebastian Bachs gehören vor allem die Sonaten und Partiten für Violine solo (1720), die „Brandenburgischen Konzerte“ (1721), „Das Wohltemperierte Klavier, Teil I“ (1722), die Inventionen und Sinfonien (1723), Teile der „Englischen“ und „Französischen Suiten“, die Suiten für Violoncello solo und wohl auch die Sonaten für Cembalo und Violine. Hinzu kommen Kantaten zu besonderen Anlässen wie dem Neujahrstag oder dem Geburtstag des Regenten am 10. Dezember.
Einige für den praktischen Unterricht und das häusliche Musizieren von Bach angelegte Sammelhandschriften (etwa das Klavierbüchlein für Wilhelm Friedemann oder das erste Klavierbüchlein für Anna Magdalena) stammen ebenfalls aus den Köthener Jahren. Eine nicht zu überschauende Anzahl von Instrumentalwerken muss hingegen als verschollen gelten. Bach hat in Köthen auch Kirchenkantaten aufgeführt, doch sind die näheren Umstände bislang weitgehend unbekannt.

A. Glöckner

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