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Unsere Chorfahrt nach Halle

@alt Bürgerreporter
Johanneskirche Wolfen

Eine Reise, die nicht nur die Beine, sondern auch den Kopf bewegt

So war unsere diesjährige Chorfahrt nach Halle. Die Stadt empfing uns mit sommerlichem Marktgewimmel, das wir schnell hinter uns ließen. Denn wir waren fest verabredet mit einem gewissen Herrn Händel. Er hatte in sein Geburtshaus eingeladen und ließ uns durch Frau Kay und Herrn Traxdorf wissen, wie er die Welt einst sah.  Interessant und kurzweilig war’s, die Lebensstationen Händels zu durchwandeln.
Hallenser war er nur in Kindheit und Jugend. Früh schon wandte er sich der Musik zu und war bald ein begnadeter Cembalo- und Orgelspieler. Offen gegenüber Konfessionen musizierte und komponierte er in den Gotteshäusern der damaligen Salinestadt. Mit 18 Jahren folgte er dem Ruf der Musik durch ganz Europa. Seine Wanderjahre führten ihn über Hamburg nach Italien. Er sprach mehrere Sprachen. Über Landesgrenzen bereits berühmt, nahm Händel 1710 eine Anstellung als Kapellmeister des Kurfürsten Georg Ludwig in Hannover an. Kleine Anekdoten zeigen Händel als Choleriker. Als der Kurfürst später Englands König, George I. wurde, spekulierte man  diesbezüglich aber auch über  Händels diplomatisches Geschick in London. 1727 nahm er die britische Staatsbürgerschaft an. Sein musikalischer Erfolg ging schnell einher mit dem wirtschaftlichen, weil er ganz einfach den Zahn der Zeit traf. 1759 verstarb Georg Friedrich Händel als Weltstar des Barock. Seine Hinterlassenschaft  umfasst zahlreiche Werke für Orchester, Kammer- und Klaviermusik, Kirchenmusik, Kantaten, 42 Opern und 25 Oratorien – darunter Messiah mit dem weltbekannten Chor „Halleluja“.  Damit hat er die 250 Jahre seit seinem Tode mühelos überlebt. Beigesetzt wurde er in der Londoner Westminster Abbey.
Aber zurück ins Heute. Händel war eine oft porträtierte Künstlerpersönlichkeit. Durch Überlagerung mehrerer Portraits wird in einem Raum des Hauses seine Gesichtsphysiognomie vom Knaben bis hin zum Greis sehr eindrucksvoll simuliert. Im kleinen Miniatur-Barocktheater wurden wir zum Opernpublikum. Auf der Bühne  berichtet ein animierter Händel, am Cembalo sitzend, über seine Musik.
Der Mittagshitze entkamen wir durch einen Besuch in der Marktkirche - einer Wirkungsstätte Händels. In einem halbstündigen Konzert erklangen die kleine Reichel-Orgel auf der Ostempore (erbaut 1663–1664) und die große Schuke-Orgel auf der Westempore. Letztere wurde am 3. Mai 1716 in Anwesenheit von J.S. Bach eingeweiht. Beide erstrahlen heute nach umfangreichen Restaurierungen in neuem Glanz.
Der Nachmittag hielt noch ein Highlight für uns bereit: Tritt ein in den Dom. Mit der lang gestreckten Pfeilerhalle, leicht überhöhtem Mittelschiff und den schmalen Seitenschiffen zählt der Dom in Halle zu den frühesten Hallenkirchen Mitteldeutschlands. Hier fand die größte Orgel-Restaurierung zu Weihnachten 2018 ein erfolgreiches Ende. Die Wäldner-Orgel  entstand 1847 bis 1851 und erhielt den Namen nach ihren Schöpfern, den Halleschen Orgelbauern Friedrich Wilhelm Wäldner und August Ferdinand Wäldner (Sohn).  Dr. Konrad Wickert gab uns eine Einführung  und wir staunten nicht schlecht, dass diese historische Großorgel sogar auf zwei Ebenen begehbar war.  Zu unserer Verblüffung …  hier roch es wie in einer Tischlerwerkstatt nach ganz viel Holz. Wer hätte das vermutet, blickt man doch im Konzert  immer nur auf Pfeifen aus Metall. Wir waren hochbeeindruckt und so ging  dieser Tag wohlgelaunt seinem Ende entgegen.   

Antje Eckelmann
im Namen des Evangelischen Kirchenchores
der Johanneskirche Wolfen
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